Von Horst Schinzel
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hatte bereits die Abendandacht am Sonnabend zum Anlass genommen, der scheidenden Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter den Dank der Landesregierung auszusprechen. Dabei konnte er sich die Bemerkung nicht verkneifen, er habe immer die Fähigkeit der Theologin bewundert, Konflikte – die auch in der Kirche nicht ausblieben – mit unkonventionellen Mitteln zu lösen.
Zur Abschiedspredigt im Lübecker Dom waren mehrere hundert Gäste aus aller Welt in den Lübecker Dom gekommen. Unter ihnen die Präsidentin des Ökumenischen Erstes der Kirchen Ophelia Ortega aus Kuba und Vertreter der Kirchen aus England, Lettland und Indien.
Ihrer Predigt hatte die Bischöfin das 2. Buch Mose, Kapitel 16, Verse 2 3, 11-20, zugrunde gelegt.
In dieser biblischen Erzällung klagt das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten in die Wüste über Hunger und wirft Mose und Aron vor, es bewusst von vollen Fleischtöpfen weggeführt und dem Verhungern preisgegeben zu haben. Als Gott der Gemeinde verspricht, Fleisch und Brot zum Sättigen zu schicken und später Manna und Wachteln vorhanden, horten – erstaunlicherweise – die Menschen dieser Gabe nicht. Moses rät ihnen. „Sammelt soviel ihr braucht, einen Krug pro Kopf“. Und tatsächlich – alle haben ausreichend.
„Ein utopisches Wunder“, nannte die Bischöfin diese Geschichte, die zeige „dass Gott am gerechten Verteilen mitwirkt.“. Auf die aktuelle Situation der Welt bezogen, bedeute dies, dass die Menschheit nicht länger die Ressourcen der Erde missbrauchen dürften. Es gebe Grenzen des Wachstums. In dieser Situation „verschreibt der Gott des Leben die Ökonomie des Genug“, so die Bischöfin.
Dies sei eine Therapie gegen das kollektive Suchtverhalten in der globalisierten Welt. Dazu bedürfe es allerdings einer engagierten Kirche, die die lebensrettenden Geschichten aus der Bibel erzählt. Die Kirche dürfte nicht auch noch selbst dem Wachstum nachjagen. Sie müsse unbeirrt „Zeugnis ablegen für Gottes Barmherzig, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Unter diesem Gesichtspunkt bat die Bischöfin, auch ihren Abschied zu sehen „Es ist genug der Fülle dieses schämen Amtes, das mir so viele Erfahrungen menschlicher Zuwendung beschert hat, Freude am lebendigen Leben der Gemeinden, ökumenische Horizonte und Gottesbegegnungen“.
Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter scheidet mit Erreichen des 65. Lebensjahre offiziell am 30. September aus dem Atm.–